"Es geht um die Gesundheit und das Vertrauen der Bevölkerung"

Offener Brief an den Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken

Die Pläne der Mühlenkreiskliniken zur Umstrukturierung ihrer Krankenhäuser bewegen viele Menschen im Kreis. Unser Kreisvorsitzender Jonas Horstmann sowie seine beiden Stellvertreter wenden sich in einem offenen Brief an die Verwaltungsratsmitglieder.

Offener Brief zum geplanten Medizinkonzept der Mühlenkreiskliniken

Sehr geehrter Herr Verwaltungsratsvorsitzender Landrat Dr. Ralf Niermann,
sehr geehrte Verwaltungsratsmitglieder,

Zahlen und messbare Fakten sind eine ganz wesentliche Grundlage von Politik. Sie bieten eine objektive Grundlage und helfen damit bei politischen Entscheidungen. Auch die Mühlenkreiskliniken haben ihre Pläne zur Umstrukturierung ihrer Krankenhauser mit Zahlen und wirtschaftlichen Argumenten begründet. Vieles, was Herr Dr. Bornemeier und Frau Dr. Drechsler beschrieben haben, ist per se nachvollziehbar und es wäre für Sie als Beiratsmitglieder ein einfaches, sich voll und ganz hinter die Vorschläge zu stellen, indem Sie sich auf die Meinung dieser Experten berufen.

Doch um wen geht es in dieser Debatte? Es geht hier um mehr als besagte Zahlen, nämlich um die Gesundheit und nicht zuletzt das Vertrauen der Bevölkerung. Die Einschätzung der Klinikleitung ist wichtig, die Meinung der Bevölkerung ist es aber mindestens genauso. Aufmerksam haben wir in den vergangenen Tagen die zahlreichen kritischen Reaktionen in Presse und sozialen Medien verfolgt.

Die Junge Union Minden-Lübbecke hat als politische Jugendorganisation ein großes Interesse an einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Sicherung der Gesundheitsversorgung im Mühlenkreis. Aus diesem Grund haben wir Verständnis, dass sich der Vorstand der Kliniken über die zukünftige Tragfähigkeit des Konzeptes der Kliniken machen muss. Allerdings mussten wir mit Unbehagen feststellen, dass wirtschaftliche und fiskalische Erwägungen vor die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie vor die Interessen der Kommunen, insbesondere Rahden und Lübbecke, und nicht zuletzt vor die gesundheitlichen Interessen der Patientinnen und Patienten gestellt werden. Hier besteht aus unserer Sicht ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten wirtschaftlicher Erwägungen und zum Nachteil der oben genannten Personengruppen.

Viele Bürgerinnen und Bürger im Mühlenkreis haben in den letzten Jahren bereits schmerzlich einst ganz unantastbare Strukturen verlieren müssen. Wenn jetzt auch noch die gesundheitliche Versorgung dazu zählt, ist es nicht überraschend, dass Teile der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik verlieren. Als Kreisverband der Jungen Union Minden-Lübbecke sehen wir uns auch und insbesondere als Streiter für die Interessen des ländlichen Raums sowie von jungen Familien.

Daraus ableitend möchten wir Sie, als die Mitglieder des entscheidenden Gremiums, zu folgenden Änderungen im neuen Medizinkonzept auffordern:

  • Erhöhung der Chefarzt- und Oberarztgehälter an den Standorten Rahden und Lübbecke, um diese Standorte für Mediziner attraktiver zu machen und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.
  • Erhalt von Notaufnahme und Notarzt am Standort Rahden, um eine wohnortnahe Versorgung im Notfall zu gewährleisten.
  • Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Lübbecke und am Standort Bad Oeynhausen und Erhöhung der Hebammengehälter an beiden Standorten.
  • Zusammenlegung der Urologien am Standort Lübbecke und Erhalt des urologischen Operationssaales in Lübbecke statt wie geplant in Minden.
  • Bessere Einbindung und Information der Belegschaft in strategische Prozesse, wie z.B. das angedachte Medizinkonzept, denn immerhin sind die Mühlenkreiskliniken der größte Arbeitgeber im Kreis Minden-Lübbecke.

Wir fordern Sie auf, im Sinne der Bürgerinnen und Bürger in unserem Mühlenkreis diese Forderungen im neuen Medizinkonzept umzusetzen. Somit würden Sie der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegen wirken, die Krankenhäuser in Rahden, Lübbecke und Bad Oeynhausen stärken, eine adäquate Versorgung in Notfällen und bei Geburten vorhalten, wirtschaftlich und politisch zukunfts- und tragfähige Entscheidungen treffen und die Akzeptanz in Bürgerschaft und Belegschaft deutlich erhöhen. Bitte halten Sie sich das vor Augen, wenn es am Ende um die finale Entscheidung geht. Bitte verstecken Sie sich nicht hinter vermeintlichen Expertenmeinungen, sondern denken an die Menschen, die Sie gewählt haben.

Sie entscheiden über die Zukunft der medizinischen Versorgung in unserem Kreis. Sie entscheiden auch über unsere Zukunft.


Mit freundlichen Grüßen

Jonas Horstmann, Kreisvorsitzender, Porta Westfalica
Theresa Marie Budde, stellv. Vorsitzende, Preußisch Oldendorf
Thomas Rogalske, stellv. Vorsitzender, Espelkamp

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