"Lübbecke sagt Ja zu Europa"

Rede von Bianca Winkelmann bei der Veranstaltung

Unter der Überschrift "Lübbecke sagt Ja zu Europa" haben sich am Freitag, 15. März, alle Lübbecker Ratsparteien und verschiedene Gruppen getroffen, um gemeinsam ein Zeichen für Europa zu setzen. Mit dabei war auch Bianca Winkelmann.

Die Rede der heimischen Landtagsabgeordneten finden Sie hier im Wortlaut:

"Lieber Bürgermeister Frank Haberbosch, liebe Lübbeckerinnen und Lübbecker, liebe Europafreundinnen und -freunde,
dieser Tag macht mir Mut. Mut für die Europäische Union und damit auch Mut für unsere Zukunft. Was die Organisatoren hier gemeinsam auf die Beine gestellt haben, ist unglaublich und ich freue mich, hier heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Zwei Regeln wurden mir vorher mit auf den Weg gegeben. Nicht parteipolitisch und nicht zu lang solle meine Rede sein.

Die erste Regel ist einfach. Dass ich die Parteipolitik an dieser Stelle ausspare, ist für mich selbstverständlich. Es geht hier nämlich um etwas weitaus Größeres und Wichtigeres als Parteien.

Kommen wir zur zweiten Regel und die ist deutlich schwieriger. Wie kann man eine Rede zu Europa kurz fassen? Zu besonders ist die Geschichte dieses einzigartigen Staatenbundes. Zu groß sind die Erfolge. Wie soll man die europäische Integration also in wenigen Worten zusammenfassen?

Wenn ich an Europa denke, dann erinnere ich mich gerne an meine Jugend. Es war Ende der 1980er-Jahre. Der Beginn des Schengener Abkommens.

Meine Freundinnen und ich – wir waren gerade volljährig und für uns war es das Größte, kreuz und quer mit dem eigenen Auto durch ein Europa ohne Schlagbäume fahren zu können. Mit Zelten im Gepäck ging es mal nach Frankreich, nach Österreich und nach Ungarn. Das war damals meine Definition von Freiheit und das Schengener Abkommen ein riesengroßes Geschenk. Man lernte sich kennen, tauschte sich aus und überwund vor allem alte Vorurteile, die noch das Denken unserer Großeltern geprägt hatten. Diese Erinnerungen an eine unbeschwerte Jugend werden mir ewig bleiben.

Doch zurück ins Jahr 2019: Wenn heute meine drei Kinder sich auf so eine Reise begeben, müssen sie nicht einmal mehr Geld wechseln. Sie können im Ausland studieren oder eine Ausbildung machen – und werden dabei von der EU unterstützt.

Und über lange Jahre dachte ich, dass diese unglaublichen Erfolge selbstverständlich und für jeden unverzichtbar sind. Eigentlich würde ich in diesem Europawahlkampf auch viel lieber darüber reden, wie wir die Europäische Union in Zukunft gestalten wollen. Welche Themen sind uns wichtig? Was wollen wir in Zukunft gemeinsam umsetzen? Was wollen wir anders machen?

Doch diese Europäischen Union ist eben nicht für alle selbstverständlich. Europa war noch nie so wichtig, aber auch noch nie in so großer Gefahr, wie es vor kurzem auch Emmanuel Macron gesagt hat.

Zusammenarbeit, Völkerverständigung, gegenseitiges Verständnis werden von bestimmter Seite immer mehr in Frage gestellt. Die aktuelle Situation und die EU- Feindlichkeit verlangen, dass wir stärker für die Europäische Union als solche einstehen – so, wie wir es heute gemeinsam tun. Das sind wir unseren nachfolgenden Generationen schuldig.

Wofür steht nun also die Europäische Union? Sie steht für mich wohl am ehesten für Freiheit, für Verständigung und für Frieden.
Stichwort Freiheit: Nicht nur im Urlaub können wir grenzenlos durch Europa reisen. Auch Wissenschaft und Forschung finden heute grenzübergreifend statt. Gleiches gilt für die Wirtschaft. Diese Europäische Union ist verantwortlich für einen nie da gewesenen Wohlstand. Wenn heute jemand bei der IMA, Gauselmann oder Wortmann beschäftigt ist, hängt dieser Arbeitsplatz oft auch von der EU ab.

Stichwort Verständigung: Wer glaubt, die Probleme dieser Welt wie Migration, Klimawandel oder Globalisierung alleine lösen und sich abschotten zu können, der irrt sich. Die Europäische Union ist hier die notwendige Lösung. Und das ist eng verbunden mit dem dritten Stichwort.

Denn Frieden ist vermutlich der größte Erfolg, für den die Europäische Union steht: Ich durfte eine unbeschwerte Jugend erleben. Das gilt genauso für meine Kinder und galt ebenfalls auch für meine Eltern. Bei meinen Großeltern war das anders. Die mussten in jungen Jahren Feindschaft, Hass und Krieg erleben. Genauso war es bei deren Eltern. Noch nie haben die Menschen in Deutschland und Europa so lange in Frieden gelebt. Und dass es nun schon sieben Jahrzehnte sind, ist eben nicht selbstverständlich. Lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass wir auch morgen noch in Frieden leben.

Deshalb möchte ich Ihnen abschließend frei nach Helmut Kohl sagen: Der Mühlenkreis ist unsere Heimat. Deutschland ist unser Vaterland. Aber Europa – das ist unsere Zukunft. In dem Sinne sage ich Ihnen Danke - dafür, dass Sie hier heute ein Zeichen setzen und für eine gute Zukunft einstehen."

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